Aus Linux-Magazin 03/2010

KDE-PIM-Entwicklertreffen in Osnabrück

©Sergei Butorin, 123RF.com

Synchronisation und Mobility, Marketing und Testumgebungen: Das achte Entwicklertreffen der Kontact- und Akonadi-Programmierer stand ganz im Zeichen der Planungen für die anstehenden KDE-Versionen 4.4 und 4.5. Eine ausgedehnte Schneeballschlacht gab es gratis dazu .

Eiskalt übernahm Sturmtief Daisy Norddeutschland. Nur eine unerschrockene Bande von 20 freien Open-Source- Entwicklern aus ganz Europa ließ sich davon nicht abhalten und versammelte sich im tief verschneiten Niedersachsen (Abbildung 1), um an den Ufern der Hase ihr alljährliches KDE-PIM-Meeting abzuhalten [1].

Abbildung 1: Aufstellen zum Klassenfoto, bitte! Nach der Schneeballschlacht versammeln sich die KDE-PIM-Entwickler im Hof des Osnabrücker Schlosses.

Abbildung 1: Aufstellen zum Klassenfoto, bitte! Nach der Schneeballschlacht versammeln sich die KDE-PIM-Entwickler im Hof des Osnabrücker Schlosses.

Das hat Tradition, das älteste KDE-Contributor-Treffen fand bereits zum achten Mal in den Räumen der Firma Inte- vation [2] in Osnabrück statt, gesponsert von der Kolab- Company [4] und den Qt- Entwicklern von Kdab [3].

Akonadi und Sync

Auch dieses Jahr stand der lange erwartete Dauerbrenner Akonadi [5] auf der von Cornelius Schumacher (Abbildung 2) moderierten Tagesordnung, dazu kamen die für 2010 geplanten Releases der KDE Software Compilation 4.4 und 4.5 und ein Ausblick auf die Version 4.6.

Abbildung 2: Cornelius Schumacher beim Marketing-Brainstorming.

Abbildung 2: Cornelius Schumacher beim Marketing-Brainstorming.

Patrik Ohly von Syncevolution ([6], Abbildung 3) stellte sein von Intel im Zuge der Moblin-Initiative [7] gesponsertes Synchronisations-Framework vor, das trotz des verdächtigen Namens nichts mit dem Gnome-Mailer zu tun hat. Kein Wunder, dass der Samstag dann ganz im Zeichen der mobilen Geräte stand, nachdem auch Bernhard Reiter (Intevation) und Volker Krause (Kdab) am Vormittag das von ihren Firmen geplante Engagement in diesem Bereich bekannt gaben.

Abbildung 3: Patrick Ohly von Intels Open-Source-Projekt Syncevolution stellt das Syncml-Framework vor.

Abbildung 3: Patrick Ohly von Intels Open-Source-Projekt Syncevolution stellt das Syncml-Framework vor.

Evolution Sycnml?

Kurzfristig wichtiger, vor allem für die Anwender, scheint dagegen dem KDE-Framework eine fertige Synchronisationsengine zur Seite zu stellen. Nach der vielfach als unglücklich betrachteten Integrationsgeschichte von Kitchensync, Multisync und Opensync steht KDE 4 derzeit ohne funktionierende Anbindung für die Groupwaredaten mobiler Telefone da, und diese Lücke soll Syncevolution füllen. Aber auch das scheint leichter gesagt als getan, interpretiert doch jeder Handyhersteller den Syncml-Standard auf seine Art.

Das Problem ist bekannt: Syncml-Server-Erfinder Fu­nambol hatte vor einigen Jahren sogar Prämien ausgesetzt für Anwender, die ihr Mobiltelefon erfolgreich zum Sync mit dem Server brachten und die Vorgehensweise als Anleitung bei Funambol einreichten. Trotz der Interpretationsvielfalt gilt Syncml neben Microsofts Active Sync als Standard auf allen modernen Geräten und erschien den Entwicklern als vielversprechende Variante.

Teilerfolg

Bestätigen konnte das auch schon der Teilerfolg, den Ohly bereits an diesem Wochenende meldete: Gemeinsam war es den Entwicklern geglückt, einzelne PIM-Daten zwischen den Plugin-Systemen von Ako­­nadi und Sync­evolution aus­zutauschen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Moderne, durchaus agile Programmiertechni- ken ergeben sich oft ganz von allein.

Abbildung 4: Moderne, durchaus agile Programmiertechni- ken ergeben sich oft ganz von allein.

Auch bei Kontact für Windows konnten die Entwickler Erfolge vorweisen: Mittlerweile liegt ein Release Candidate vor. Die Software landet per One-Klick-Installer auf der Platte, der alle Abhängigkeiten inklusive Qt und KDE gleich mitinstalliert [8].

Langsames Windows

Größtes Hindernis auf diesem Weg sei die langwierige Prozedur des Kompilierens, das auf identischen Windows-Rechnern mehr als zehnmal so lange dauere wie auf Linux, berichten Krause und Reiter einhellig. Neuerdings haben die Entwickler auch mobile Windows- und Linux-Plattformen wie CE und Maemo im Auge, auch wenn noch einige Anpassungen an den beteiligten Projekten – zum Beispiel dem Datenbank-Backend Virtuoso [9] – notwendig seien. Frameworks wie Akonadi eröffnen da ganz neue Spielräume in Sachen Privatsphäre, den Scheunentoren des Web 2.0 zum Trotz.

Moderne Smart Clients, also die Kombination eines flotten, meist Linux-basierten Geräts samt schlanker freier Desktopsoftware mit einem Framework wie Akonadi, ermöglichen dann ganz neue Arbeitsweisen, bei denen der Benutzer selbst entscheidet, wie viele Daten er für wen freigeben möchte und vor allem was nicht.

Schneeballsystem

Zu den regelmäßigen Traditionen der Osnabrück-Meetings gehört auch das gemeinsame Gruppenfoto (Abbildung 1), das wohl dereinst einen erschreckenden Alterungsprozess zeigen wird. Dieses Jahr konnten die Entwickler das aber wegen der winterlichen Witterung erst mit Verspätung in Angriff nehmen, eine ausgedehnte paneuropäische Schneeballschlacht (Abbildung 5) verhinderte den rei- bungslosen Ablauf.

Abbildung 5: Abteilung Attacke: Die KDE-PIM-Programmierer Paul Adams, Georg Greve und Stephen Kelly auf der Jagd nach neuen Opfern.

Abbildung 5: Abteilung Attacke: Die KDE-PIM-Programmierer Paul Adams, Georg Greve und Stephen Kelly auf der Jagd nach neuen Opfern.

Zurück im Büro stand die Planung der Versionen zur Diskussion. KDE SC 4.4 ist fast fertig, wie der aktuelle Release Candidate 2 belegt. Der Nachfolger 4.5 soll im Sommer kommen, wahrscheinlich erst einige Wochen nach der Akademy 2010 in Tampere. Den Halbjahres-Zyklus wollen die Entwickler einhalten. Das Adressbuch Kadressbook ist die erste Anwendung aus der umfangreichen KDE-PIM-Sammlung, die in Version 4.4 bereits auf Akonadi umgestellt ist [10]. Im Sommer sollen alle anderen Teile folgen, vor allem Mail, Kalender (Korganizer) und die Notizen in Form von Kjots. Knotes wird dagegen wohl nicht mehr portiert, dafür be- kommt das deutlich umfangreichere Kjots eine Plasma- Anbindung, die auch gefällige Desktop-Widgets ermöglicht. Mehr dazu findet sich in Stephen Kellys Blog [11].

Eine wichtige Entscheidung dürfte vor allem KDE-Entwickler interessieren: Die Kdepim-libs und Kdepim 4.5 werden in Zukunft auf der Version 4.4 der Kdelibs basieren. Das sei von Vorteil, weil Entwickler dann zum einen die mit den Distributionen mitgelieferten Libraries verwenden können. Zum anderen kommen ihnen so die sich noch ständig verändernden, ebenfalls in Entwicklung befindlichen TrunkVersionen der 4.5er Bibliotheken nicht in die Quere, ein seit KDE 3 bewährtes Vorgehen.

Testumgebungen

Wer seine Softwareversionen testen will, findet in Cdash [12] eine Webserver-basierte Testumgebung oder mit Treepkg von Intevation [13] eine praktische Hilfe zum Bau von Debian-Paketen.

KDE 4.6 wird wohl die erste mobile Variante von KDE beinhalten, so zumindest der vorsichtige Plan. Bis dahin sollen neue Linkedin-, Facebook- und Youtube-Accounts für das KDE-PIM-Team als Werbekanäle fungieren. Auch wenn das Groupware-Thema traditionell näher an Unternehmen und professionelle Nutzer gerichtet scheint, möchten die Entwickler über Junior Jobs und ein eigenes Blogging-Portal à la KDE-Planet [14]) verstärkt Anfänger motivieren, sich mit der Kontact-Programmierung ausein- anderzusetzen.

Dass Software-Unternehmen die fähigen Groupware-Entwickler aus der freien Entwicklergemeinde immer häufiger abwerben, ist zwar ein Problem, wird aber von den Teilnehmern von Osnabrück eher sportlich gesehen: “Das ist doch verständlich, der Job macht richtig Spaß und wird auch noch gut bezahlt!” Von Winterkälte kann in Osnabrück also keine Rede sein, es riecht eher nach dem Open-Source-Frühling.

Infos

[1] KDE-PIM:[http://pim.kde.org]

[2] Intevation:[http://www.intevation.de ]

[3] Kdab:[http://www.kdab.com]

[4] Kolab:[http://www.kolab.org]

[5] Syncevolution:[http://syncevolution.org]

[6] Akonadi:[http://pim.kde.org/akonadi]

[7] Intels Moblin-Initiative:[http://moblin.org]

[8] Kontact für Windows:[https://wiki.kolab.org/index.php/Kontact_for_Windows_(beta-huge-debug)]

[9] Virtuoso mit Nepomuk:[http://trueg.wordpress.com/tag/virtuoso]

[10] Tobias Königs Blog:[http://tokoe-kde.blogspot.com]

[11] Stephen Kellys Blog:[http://steveire.wordpress.com]

[12] Cdash:[http://www.my.cdash.org]

[13] Intevations Sägewerk:[http://saegewerk.wald.intevation.de]

[14] PlanetKDE:http://planetkde.org]

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